Die Kunst der Transformation

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Die ukrainische Künstlerin Darina Mikityuk nimmt in ihrer aktuellen Ausstellung „After the Shift” auf berührende Weise mit in Transformation, das Zerbrechen vertrauter Strukturen und weibliche Kraft. Wir sprachen mit ihr über ihren Weg und ihre neue Bildsprache.

Du bist aus der Ukraine nach Hamburg gekommen – in einer Zeit, in der Millionen Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Wie hat diese Erfahrung deinen Blick auf Identität und Zugehörigkeit verändert?

Darina Mikityuk:
Bevor ich überhaupt begann, diese Fragen zu beantworten, musste ich über jede einzelne sehr lange nachdenken, weil in den letzten Jahren so viel passiert ist. Ich glaube, meine frühere Identität wurde ganz am Anfang komplett zerstört. In den ersten zwei Jahren habe ich vieles einfach nur irgendwie überlebt. Am Anfang versteht man gar nichts mehr. Man lebt wie außerhalb seines eigenen Lebens. Und irgendwann beginnt man sich Fragen zu stellen: Wer bin ich jetzt? Welche Ziele habe ich? Was möchte ich hier repräsentieren? Welche Künstlerin bin ich? Welche Kunst möchte ich erschaffen? Wie fühle ich mich überhaupt in diesem neuen Leben? Ich glaube, genau dort begann eine neue Phase meines Lebens. Ich begann zu meditieren, verschiedene Praktiken auszuprobieren und mir selbst zu erlauben, wirklich die Person zu sein, die ich bin. Natürlich, offen und ehrlich. Trotz all der Schmerzen, die ich in mir getragen habe und trotz vieler schwieriger Erfahrungen schon davor in der Ukraine sagte ich mir irgendwann: Ich erlaube mir, ich selbst zu sein. Ich erlaube mir, mich so zu zeigen, wie ich wirklich fühle. Ich erlaube mir, das Leben wieder zu spüren, Liebe zuzulassen und mich emotional wieder zu öffnen. Und genau in diesem Moment begann eine neue Version meines Lebens. Ich habe meinen zukünftigen Mann kennengelernt, und interessanterweise wusste ich vom ersten Moment an, dass er der Mensch ist, mit dem ich mein Leben verbringen möchte.

Viele Menschen erleben Migration als Verlust. In deinen Bildern scheint aber gleichzeitig Hoffnung und Selbstermächtigung zu liegen. Wie schaffst du es, Schmerz in schöpferische Energie zu verwandeln?
Ich wusste vom ersten Tag des Krieges an, dass ich keine Bilder malen würde, die direkt Schmerz, Hass oder Krieg beschreiben. Ich wusste einfach, dass ich das nicht kann und nicht möchte. Für mich war Kunst immer etwas, das mir Kraft gibt, mich inspiriert und mir Energie schenkt. In meinen Arbeiten war immer eine bestimmte weibliche Stärke spürbar etwas Warmes, Emotionales und Lebendiges. Natürlich habe ich all diese Gefühle erlebt: Verlust, Angst, Schmerz und Unsicherheit. Aber ich wollte nicht, dass genau diese Gefühle das Zentrum meiner Kunst werden. Ich wollte nicht, dass meine Bilder nur über Zerstörung sprechen. Deshalb begann ich bewusst, die kleinen hellen Momente festzuhalten Hoffnung, Schönheit, Wärme, Licht und dieses Gefühl, trotz allem weiterleben zu wollen. Vielleicht wurde genau das zu meiner Art, mit Schmerz umzugehen und ihn in etwas anderes zu transformieren.

Du sagst, deine Werke seien heute wie ein Tagebuch. Welche Erinnerungen tragen deine Bilder in sich und gibt es Erinnerungen, die sich nur durch Malerei ausdrücken lassen?
Es ist schwer, sofort alle Erinnerungen in Worte zu fassen. Aber eines der stärksten Bilder in meinem Gedächtnis ist mein erster Besuch in der Hamburger Kunsthalle. Das war das erste Kunstmuseum, das ich nach meiner Ankunft in Deutschland besucht habe. Und ich erinnere mich daran, wie ich plötzlich dachte: Diese Gemälde haben so viele Zeiten überlebt. Sie haben Kriege, Veränderungen, Geburt und Tod gesehen und trotzdem existieren sie weiter. Sie wirken zeitlos und gleichzeitig voller Leben. Damals dachte ich besonders an Botticellis Venus. Ich hatte das Original nie zuvor gesehen, aber plötzlich wurde diese Figur für mich zu einem Symbol. Nicht nur für Schönheit, sondern auch für Weiblichkeit, Heilung, Mitgefühl und mütterliche Stärke. Und genau in diesem Moment begann ich anders über Menschen nachzudenken. Ich sah all diese Menschen um mich herum Geflüchtete aus der Ukraine, Menschen mit unterschiedlichen Geschichten und Schicksalen und dachte daran, dass jeder Mensch seine eigene Seele und seine eigene emotionale Farbe besitzt. Dass man diese Gefühle vielleicht durch Farben sichtbar machen kann. So entstand später meine Venus-Serie. Eine andere wichtige Erinnerung ist die erste große Tempera-Arbeit, die ich hier in Deutschland geschaffen habe und die heute Teil meiner Ausstellung ist. Dieses Bild war voller Wärme, Liebe und der Magie kleiner gemeinsamer Momente wie Frühstücke zu zweit oder dieses Gefühl von Nähe und emotionaler Energie. Und gleichzeitig war es für mich auch ein sehr persönlicher Moment, weil ich wieder intensiv mit Tempera arbeitete meiner Lieblingsfarbe. Dieses Gefühl, mit Tempera zu malen, diese Sinnlichkeit der Oberfläche und die Intensität der Farben, war für mich selbst wie ein emotionales Wiedererwachen.

Du beschreibst Malerei nicht nur als Ausdruck, sondern fast als emotionales System. Was findest du in Kunst, was sich nirgendwo anders finden lässt?
Für mich ist Kunst sehr viel in meinem Leben. Sie hat mir geholfen, mich selbst besser zu verstehen und hat mich durch viele unterschiedliche Lebensphasen getragen. Im Laufe der Zeit habe ich immer neue Wege entdeckt, wie Kreativität Menschen helfen kann, wie sie dabei helfen kann, sich selbst zu hören, Gefühle besser zu verstehen oder verborgene Talente zu entdecken. Deshalb habe ich inzwischen auch ein eigenes Workshop-Programm für Kinder entwickelt. Diese Workshops sollen Kindern helfen, sich zu sozialisieren, Sprache leichter zu lernen, ihre Gefühle auszudrücken und miteinander in Kontakt zu kommen. Gerade für Kinder aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kann Kunst eine gemeinsame Sprache werden. Während meiner Ausstellung plane ich außerdem offene Workshops mit Erwachsenen und besonders mit Frauen. Ich möchte gemeinsam mit ihnen malen und einen Raum schaffen, in dem Menschen einfach kreativ sein dürfen. Ich glaube wirklich daran, dass Kunst die Möglichkeit gibt, sich selbst besser kennenzulernen oft durch sehr einfache kreative Methoden. Man weiß nie genau, was in dem Moment entsteht, in dem man beginnt zu erschaffen und sich selbst als schöpferischen Menschen wahrzunehmen. Dieses Gefühl gibt nicht nur Freude, sondern auch Selbstvertrauen. Man beginnt zu verstehen, dass man vielleicht nicht nur Kunst erschaffen kann, sondern auch viele andere Dinge im Leben schaffen kann. Deshalb finde ich es so wichtig, auf sich selbst, auf den eigenen Körper, die Gefühle und die innere Stimme zu hören.

Zwischen Pop-Art, Emotionalität und feministischer Reflexion – was möchtest du mit deiner Kunst in Menschen auslösen?
Ich liebe Pop-Art sehr, und ich habe großen Respekt vor anderen Künstlerinnen und Künstlern dieses Genres. Aber Pop-Art wird oft eher als figurative oder objektbezogene Form zeitgenössischer Kunst beschrieben. Für mich bedeutet Pop-Art etwas anderes. Natürlich interessieren mich Themen des Alltags, der Popkultur und des modernen Lebens. Aber ich bringe in diesen Stil viel mehr Emotionalität, Abstraktion, Gefühle und persönliche Erfahrungen hinein. Im Grunde arbeite ich mit Dingen, die wir alle kennen und fühlen mit Emotionen, Erinnerungen, inneren Zuständen und menschlichen Erfahrungen. Deshalb können Menschen sich oft selbst in meinen Arbeiten wiederfinden. Mein Zugang zu Pop-Art ist wahrscheinlich weiblicher und emotionaler geprägt, weil ich alles durch meine eigene Perspektive, meine Gefühle und meine Wahrnehmung der Welt sehe. Und genau deshalb ist Kunst für mich nicht nur eine physische oder finanzielle Investition. Kunst ist für mich auch eine spirituelle und emotionale Investition. Wenn jemand ein Werk kauft, kauft diese Person nicht nur ein Bild oder eine Geschichte, sondern auch ihre eigene Beziehung zu diesem Kunstwerk und die Gefühle, die damit verbunden sind. Ich finde es unglaublich spannend zu beobachten, wie Sammlerinnen und Sammler mit Kunst leben und welche persönlichen Geschichten daraus entstehen. Diese Geschichten faszinieren mich sehr.

Du beschreibst deine künstlerische Ausrichtung mit den Worten: „To combine elegance and strangeness“ – was reizt dich an dieser Kombination?
Irgendwie sagt man oft, dass Künstlerinnen und Künstler „seltsam“ seien. Aber ich glaube eher, dass Künstler einfach empfindsamer sind. Sie nehmen Menschen, Emotionen und Situationen oft intensiver wahr. Für mich hat diese Mischung aus Eleganz und etwas Ungewöhnlichem viel mit weiblicher Energie und innerer Transformation zu tun. Mich interessiert, wie sich etwas Kleines in etwas Großes verwandeln kann wie Farben miteinander reagieren, wie Emotionen sichtbar werden und wie sich durch kleine Veränderungen plötzlich eine ganz neue Stimmung oder Bildsprache entwickelt. Eleganz bedeutet für mich dabei nicht Perfektion, sondern Sensibilität. Wenn man mit einem Menschen spricht, spürt man oft sofort seine Energie, seine Art zu kommunizieren und seine innere Tiefe. Genauso empfinde ich Kunst. In einem Bild gibt es viele feine, subtile Ebenen kleine Details, Farbkombinationen oder Spannungen, die man vielleicht nicht sofort erklären kann, die man aber fühlt. Manche Werke passen emotional zu einem, andere nicht. Und genau diese feinen Unterschiede interessieren mich sehr. Deshalb braucht auch jedes Bild seine eigene Kombination aus Formen, Farben und Emotionen. Für mich entsteht genau dort etwas Persönliches und Lebendiges.

Die Farben, die du wählst, wirken nie dekorativ vielmehr emotional aufgeladen. Was bedeuten dir diese Farbwelten?
Farben waren für mich schon immer etwas sehr Besonderes. Ich liebe es, Farbe nicht nur zu sehen, sondern sie wirklich zu fühlen ihre Konsistenz, ihre Oberfläche, ihre Bewegung und sogar die Lichtreflexe darauf zu beobachten. Ich fotografiere oft Farben oder bestimmte Momente, wie sich Material und Licht miteinander verbinden. Für mich hat das etwas sehr Sinnliches und fast schon etwas Intimes oder sogar Erotisches, besonders wenn Farben bestimmte Formen annehmen oder miteinander reagieren. Ich habe fast immer mit Tempera gearbeitet, weil diese Farbe für mich eine besondere Tiefe und Lebendigkeit besitzt. Leider kaufe ich meine frühere Lieblingsfarbe heute nicht mehr, weil sie in einem Aggressor-Staat produziert wurde. Deshalb beginne ich nun, Tempera selbst herzustellen. Und genau das fühlt sich für mich unglaublich spannend an fast wie eine Rückkehr in frühere Zeiten, in denen Künstler ihre Farben aus natürlichen Materialien, Kristallen, Pigmenten oder getrockneten Pflanzen selbst hergestellt haben. Dadurch bekommt Kunst für mich wieder etwas Mystisches und fast Alchemistisches. Ich glaube außerdem, dass Farben eine eigene Energie besitzen. Wenn wir über Gefühle oder Erinnerungen sprechen, denken wir oft automatisch an bestimmte Farben oder Farbkombinationen. Genau deshalb arbeite ich so intuitiv mit Farbe. Ich spüre sehr genau, welche Töne miteinander funktionieren, welche Spannung sie erzeugen oder welche Emotionen sie transportieren. Diese Arbeit mit Farbe ist für mich nicht nur Technik, sondern auch eine persönliche Form von Entwicklung und Forschung.

Dein aktuelles Projekt beschreibst du als „die Sprache deiner neuen Kunst“. Was hat sich an dieser Sprache verändert?
Es traf sich so, dass ich in einem Moment fast alles verlor, was meine frühere Identität ausgemacht hatte. Ich verlor mein gewohntes Leben, mein Umfeld und sogar meine Sprache, weil sie mir hier plötzlich nicht mehr half, mit Menschen zu kommunizieren. Deshalb musste ich vieles neu lernen: eine neue Sprache, ein neues Leben und gleichzeitig auch mich selbst. Und damit begann auch die Suche nach einer neuen Sprache meiner Kunst. Natürlich hatte ich schon vorher meinen eigenen Stil. Aber das Gefühl, das ich früher beim Malen hatte, diese Energie, diese Spannung, diese Sinnlichkeit meiner Arbeiten hatte sich verändert. Und ich glaube, das hängt immer auch mit dem inneren Zustand des Künstlers zusammen. Ich brauchte Zeit, um all diese „Sprachen“ neu zu entdecken und zu verstehen. Nicht nur die deutsche Sprache, sondern auch die Sprache der Kommunikation mit Menschen, der Gesellschaft und die Frage, wie ich mich darin fühle. Für mich war weniger wichtig, wie ich von außen wirke wichtiger war die Frage, ob ich mich frei fühlen kann. Und lange Zeit konnte ich das nicht. Mein zukünftiger Mann hat mich in dieser Zeit sehr unterstützt. Er erklärte mir oft Besonderheiten der deutschen Sprache oder Kommunikation, Dinge, die man nicht einfach übersetzen kann. Und er sagte immer wieder zu mir: „Du schaffst das. Gib dir Zeit.“ Er motivierte mich ständig, weiterzugehen, weiterzusprechen und nicht stehenzubleiben. Und genau dadurch entstand Schritt für Schritt diese neue Sprache meiner Kunst freier, ehrlicher und persönlicher als zuvor.

Du sprichst von weiblicher Stärke nicht als Härte, sondern als Wärme, Schönheit, Sinnlichkeit und Tiefe. Glaubst du, dass unsere Gesellschaft weibliche Kraft noch immer zu oft missversteht?
Ja, ich glaube, dass weibliche Stärke und weibliche Energie oft falsch beschrieben werden. Sehr häufig wird eine Frau über ihre Karriere, ihren Erfolg oder ihre Leistungen definiert. Aber wenn man all das einmal weglässt und nur den Menschen selbst betrachtet, dann beschreibt man Frauen oft ganz anders über ihre Energie, ihre Ausstrahlung oder ihre Atmosphäre. Man sagt zum Beispiel, dass eine Frau Licht ausstrahlt, warmherzig, sonnig oder ruhig und nachdenklich ist. Auch in Literatur oder Kunst wird weibliche Schönheit oft nicht nur äußerlich beschrieben, sondern über Gefühle, Stimmungen und feine emotionale Wahrnehmungen. Deshalb gefällt mir die Vorstellung, dass die Stärke einer Frau nicht nur in ihrer Karriere oder ihren Erfolgen liegt. Weibliche Stärke kann auch in ihrer Fürsorge, ihrer emotionalen Intelligenz, ihrer Art zu leben und Räume mit Wärme zu füllen liegen. Man kann oft schon allein durch einen Raum spüren, was für eine Frau dort lebt, wie sie sich um ihre Familie kümmert, wie sie Feste gestaltet, welche Kleidung sie trägt, welche Rituale oder Hobbys sie hat. Es sind oft diese kleinen Details, die etwas sehr Persönliches über ihre Weiblichkeit und ihre Identität erzählen. Das inspiriert mich sehr, weil ich glaube, dass jede Frau etwas Schönes und Besonderes in sich trägt. Manche Frauen zeigen diese Seite offen, andere haben vielleicht noch Angst davor oder müssen erst lernen, sie wieder zuzulassen.

In deinen Werken erscheint der weibliche Körper nicht als Objekt, sondern eher als Träger von Erinnerung, Wandel und Präsenz. Was möchtest du Frauen vermitteln, die deine Bilder betrachten?
Die Botschaft vieler meiner Arbeiten ist eigentlich sehr einfach: Glaube an dich selbst. Ich habe keine Angst davor, erste Schritte zu machen. Und vergiss nicht, wie wichtig die kleinen Dinge sind, die dir Energie und Kraft geben. Gerade in der Migration merkt man oft, wie sehr Identität aus kleinen alltäglichen Dingen besteht. Plötzlich fehlen dir vertraute Gerüche, Lebensmittel, Rituale oder Momente, die früher selbstverständlich waren. Und wenn dir dann jemand ein kleines Stück deiner Heimat zurückbringt, fühlt es sich an, als wärst du wieder zu Hause. Nach vier Jahren kam meine Großmutter mich hier in Deutschland besuchen und machte für mich Wareniki etwas, das für mich immer mit Kindheit, Wärme und Familie verbunden war. Früher stand ich oft in ihrer Küche und sah ihr dabei zu. Und plötzlich war dieser Moment wieder da. Für mich war das eines der schönsten Geschenke überhaupt, weil ich für einen Augenblick wieder dieses Gefühl von zuhause gespürt habe. Ich glaube, genau aus solchen kleinen Erinnerungen und emotionalen Details besteht unser ganzes Leben. Deshalb wünsche ich mir, dass Menschen achtsamer mit sich selbst umgehen mit ihrer mentalen Gesundheit, ihren Traditionen, ihrer Kultur und ihren Gefühlen. Und vielleicht ist genau das auch etwas, das ich Frauen durch meine Kunst vermitteln möchte: sich selbst nicht zu verlieren, sich selbst zu spüren und sich zu erlauben, das eigene Leben und die eigenen Gefühle wirklich wahrzunehmen.

Du sagst, dass Kunst nicht nur Emotion, sondern auch Haltung sein kann. Welche Haltung steckt in deinen Arbeiten?
Ich glaube, meine wichtigste Haltung ist: immer man selbst zu bleiben, der eigenen inneren Stimme zu vertrauen und keine Angst davor zu haben, Fehler zu machen. Vielleicht sogar lieber zu viele Fehler zu machen als gar nichts zu versuchen. Und vor allem: dem eigenen Herzen zu folgen. Das ist wahrscheinlich der wichtigste Satz für mich persönlich, weil ich mein ganzes Leben versucht habe, genau das zu tun. Selbst wenn daraus Fehler entstehen, bereue ich sie nicht, weil ich weiß, dass ich ehrlich mit mir selbst gewesen bin. Für mich spiegelt Kunst immer den Menschen wider seine Gefühle, Werte, Gedanken, Träume und seine Sicht auf die Welt. Wenn man sich die Sammlung eines Menschen anschaut, kann man oft unglaublich viel über diese Person verstehen. Es ist fast so, als würde man ihre Geschichte lesen. Und genau das finde ich so faszinierend an Kunst: diese Verbindung zwischen Menschen, Erinnerungen und Emotionen. Gerade jetzt, in einer Zeit von künstlicher Intelligenz und digitaler Geschwindigkeit, wird diese echte menschliche Magie zwischen Kunst und Mensch für mich noch wichtiger. Diese Echtheit, diese Emotionalität und diese persönliche Energie kann man nicht ersetzen.

Und wenn du der jüngeren Darina heute etwas sagen könntest – kurz bevor sich ihr Leben komplett verändert – was würdest du ihr sagen?
Du musst dir selbst ehrlich antworten nur für dich selbst, ob du diese Veränderungen wirklich willst oder nicht. Und wenn deine Antwort Ja ist, dann mach den ersten Schritt. Ich habe keine Angst. Es wird beängstigend sein, vieles wird unklar wirken, aber du wirst alles neu lernen und dich selbst wiederfinden. Geh weiter. Mach Fehler. Lerne. Hör nicht auf. Und erschaffe. Erschaffe immer weiter.

Interview: Hanna Odenwald

Mehr HIER / Instagram: @darina_mikityuk

Alle Bilder: © Darina Mikityuk