Lügen, Intrigen und ein geplanter Mord: Im New York der 50er Jahre läuft ein Abend gehörig aus dem Ruder. Schauspielerin Henrike Fehrs spielt in „Kleine Verbrechen unter Liebenden“ Sekretärin Susy – und auch sie hat einige Geheimnisse. Zu sehen ab dem 27. Februar in der Komödie Winterhuder Fährhaus. Wir verlosen 2 x 2 Tickets.
Hamburg Woman: „Kleine Verbrechen unter Liebenden“ ist eine rasante Komödie mit vielen spannenden Wendungen. Sie spielen die Rolle einer Sekretärin, die mit ihrem Chef zu einem Essen geht, bei dem dieser ermordet werden soll. Was hat Sie an dem Stück und dieser Rolle besonders gereizt?
Henrike Fehrs: Mich reizt an „Kleine Verbrechen unter Liebenden“ vor allem die außergewöhnliche Mischung aus Komödie, Spannung und absurden Wendungen. Das Stück spielt zudem viel mit Dingen, die man eher im übertragenen Sinne verstehen darf. Das macht es so komplex. Die Rolle der Susy, als scheinbar unschuldige Sekretärin, die plötzlich den geplanten Mord stört und damit das Geschehen völlig durcheinanderbringt, bietet mir die Chance, genau diese Dynamik auszuspielen und sowohl komödiantisch als auch dramatisch zu wirken. Sie ist mehr als nur Beiwerk: Susy ist ein Katalysator für Chaos und Enthüllungen. Eine wunderbare Herausforderung für jede Schauspielerin.
Die Geschichte spielt in den 50er Jahren in New York und wirft einen Blick auf damalige Rollenbilder und gesellschaftliche Konventionen. Das scheint heute wie eine ganz andere Welt. Worin sehen Sie dennoch die Aktualität und Bedeutung des Stückes?
Obwohl „Kleine Verbrechen unter Liebenden“ im New York der 50er Jahre angesiedelt ist, spricht das Stück erstaunlich moderne Themen an: Geschlechterrollen, gesellschaftliche Konventionen, Fremdbilder und die unterschwelligen Verletzungen, die im Namen von Liebe und Status
entstehen können. Die Figuren fühlen sich von ihrer Umgebung begrenzt, sei es durch Ehe, Erwartungen oder soziale Zwänge, und finden kreative Wege, mit diesen Beschränkungen umzugehen. Diese Themen sind ja auch heute noch präsent, wenn auch in anderen Formen: Selbstbestimmung, Rollenbilder und Doppelmoral innerhalb von Beziehungen sind zeitlos.
Die Hauptfigur Jenny plant mit ihrer heimlichen Affäre den Mord an ihrem Ehemann – eine Scheidung wäre damals nicht möglich gewesen. Wie sehr ist das moralische Handeln der Figuren durch ihre Zeit geprägt und wo erkennen Sie Parallelen zur Gegenwart?
In den 50er Jahren waren Scheidung, Untreue oder Skandale mit viel stärkerem sozialen Druck verbunden als heute. Jenny zum Beispiel plant einen Mord, weil ihr die gesellschaftlichen Wege zur Freiheit, etwa eine anständige Scheidung, versperrt sind. Dieses moralische Dilemma entsteht aus einer Zeit, in der Frauen kaum Wahlfreiheiten hatten und in der Status wichtiger war als persönliches Glück. Auch heute noch sehen wir, wie Normen und Erwartungen Menschen zu Entscheidungen drängen, die sie vielleicht nie treffen würden, wenn sie frei wären von äußeren Urteilen oder Rollenklischees. In dieser Reflexion zeigt das Stück seine Aktualität: Wie weit geht man aus Liebe und was ist man bereit zu opfern?

Komödien gelten oft als besonders anspruchsvoll, da Humor sehr unterschiedlich funktioniert und auf Timing, Präzision und Authentizität angewiesen ist. Erleben Sie komödiantische Stoffe auch als Herausforderung? Wenn ja, woran liegt das?
Absolut! Komödie wirkt auf den ersten Blick oft leicht und natürlich, doch sie lebt von Präzision, Timing und Authentizität. Gerade bei temporeichen Stücken wie diesem ist es eine Herausforderung, den Rhythmus zu halten, Pointen punktgenau zu setzen und dennoch menschlich greifbar zu bleiben. Humor entsteht häufig durch Nuancen, Mimik, Situationen, und jede kleine Verzögerung oder Überzeichnung kann den Effekt dann auch zunichtemachen. Aber gerade das ist ein Teil des Reizes, finde ich.
Neben Humor scheint auch die Spannung ein zentraler Aspekt zu sein – geplanter Mord, Spionage und viele offene Fragen. Was macht für Sie den besonderen Reiz dieser Mischung aus?
Die Kombination aus komödiantischen Momenten und einer Krimi-Spannung ist eine wunderbare Gratwanderung: Einerseits lachen wir über absurde Situationen, andererseits bleibt durch den (geplanten) Mord und die Intrigen stets eine unterschwellige Spannung bestehen. Und die Zuschauer werden fast in jeder Szene mit einer neuen, unerwarteten Wendung konfrontiert, die nicht immer wörtlich zu nehmen ist. Das ist eine Herausforderung für die Zuschauer*innen und auch für uns Schauspieler*innen. Man muss mitdenken. Aber eben das macht das Stück für mich so fesselnd.
Regie führte Ihr ehemaliger Schauspiellehrer Harald Weiler. Wie war es, wieder gemeinsam zu arbeiten? Konnten Sie feststellen, wie sehr Sie sich schauspielerisch weiterentwickelt haben?
Die Zusammenarbeit mit Harald Weiler ist etwas ganz Besonderes. Als mein ehemaliger Lehrer kennt er mich als Schauspielerin noch sehr gut, auch wenn meine Zeit als seine Schülerin nun schon fast 20 Jahre her ist. Er hat mich ja auch mit dem Wissen auf diese Rolle besetzt, was meine Stärken und Schwächen als Schauspielerin sind. Er war an der Schauspielschule einer meiner absoluten Lieblings-Lehrer, weil wir genau den gleichen Humor haben und ich immer sehr schnell erahnen konnte, worauf er bei unserer Arbeit hinaus will. Das ist natürlich eine sehr gute Voraussetzung. Andererseits ist es auch etwas aufregend für mich, nach so langer Zeit nun als Kolleg*innen zusammenzuarbeiten und nicht mehr im Lehrer-/Schülerin-Verhältnis. Man will dann ja auch zeigen, dass man etwas gelernt und sich weiterentwickelt hat. Kleiner Fun Fact: die Rolle, mit der ich mich 2007 das erste Mal am Winterhuder Fährhaus beworben habe, hat Harald inszeniert. Das muss doch ein gutes Zeichen sein. 🙂
Was hoffen Sie, nimmt das Publikum nach der Aufführung mit nach Hause?
Ich hoffe, das Publikum verlässt den Saal mit einem Lächeln und dem Gefühl, noch lange über das Stück nachzudenken. Dass sie lachen konnten – über die Obszönitäten, die absurden Wendungen, die überraschenden Enthüllungen – aber zugleich berührt wurden von dem, was die Figuren antreibt: Liebe, Angst, Zweifel und das ewige Ringen um Selbstbestimmung. Luca Mohr
Verlosung
Wir verlosen 2 × 2 Tickets für die Show am 10. März um 19:30 Uhr. Wer gewinnen möchte, sendet bis zum 06. März eine E-Mail mit dem Stichwort VERBRECHEN an redaktion@alster-net.de. Unter allen Einsendungen werden 2 Gewinner*innen gezogen, die Eintrittskarten werden von uns per E-Mail an die Gewinner*innen versendet.
Teilnahmebedingungen: Die Teilnahme erfolgt über die an uns versandte E-Mail. Teilnahmeberechtigt sind Personen ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland. Mitarbeitende des Magazin Verlag Hamburg sind an dem Gewinnspiel ausgeschlossen. Der/Die Gewinner*in wird per Zufallsprinzip ermittelt und ihnen die Eintrittskarten per E-Mail von uns zugestellt. Das Gewinnspiel endet am 06.03.2026, um 23.59 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, eine Barauszahlung nicht möglich.
Mehr Infos zum Stück und Tickets HIER
Aufmacherbild: Henrike Fehrs © Saskia Allers


