Die drei Hamburger Schwestern Lena, Marie und Hannah Pippert setzen mit ihrem 2019 gegründeten Unternehmen Oclean starke Zeichen für den Klimaschutz. Allein im letzten Jahr zeigten sie mit 57 Clean-Ups und über 4.437 Kilogramm gesammeltem Müll, was sich bei uns verändern muss.
Was war eure ursprüngliche Motivation, OCLEAN zu gründen?
Ursprünglich hatten wir den Gedanken, dass wir einfach mal machen wollen, anstatt immer nur über Probleme und mögliche Veränderung zu sprechen. Außerdem hat unser Vater uns beeinflusst, sodass wir uns mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Er war in einem Kieler Verein tätig und hat eine ‚maritime Müllabfuhr’ unterstützt, die vom Wasser aus Müll gesammelt hat. Da dachten wir uns: Das wollen wir auch machen – nur eben vom Land aus. Also haben wir Familie und Freunde animiert, mit uns an den Wochenenden loszuziehen, um gemeinsam an der frischen Luft zu sein und Gutes zu tun. Von da an haben sich uns immer mehr Menschen angeschlossen und die OCLEAN-Community wächst stetig.
Und wie hat sich eure Vision seit der Gründung 2019 entwickelt?
Unsere Vision hat sich seit der Gründung stetig weiterentwickelt. Ursprünglich lag unser Fokus darauf, mit öffentlichen Clean-Ups ein Bewusstsein für die Müllproblematik zu schaffen und direkte, sichtbare Ergebnisse zu erzielen. Mit der Zeit haben wir erkannt, dass echte Veränderung nicht nur durch das Einsammeln von Müll, sondern vor allem durch Bildung und Prävention erreicht werden kann. Heute steht unsere Vision für einen ganzheitlichen Ansatz: Wir möchten nicht nur eine saubere Umwelt schaffen, sondern auch eine Gesellschaft inspirieren, die Müllvermeidung und Nachhaltigkeit als festen Bestandteil ihres Alltags lebt. Deshalb haben wir unsere Aktivitäten erweitert und setzen verstärkt auf Bildungsprojekte, kreative Formate und langfristige Partnerschaften. Unser Ziel ist es, nicht nur Menschen zu sensibilisieren, sondern sie aktiv dazu zu bewegen, selbst Verantwortung zu übernehmen und Teil der Lösung zu werden. Wir sehen uns als Impulsgeber*innen für nachhaltigen Wandel – lokal in Hamburg und darüber hinaus.
Mögt ihr uns einen Einblick in eure Oclean-Aktionen geben?
Wir machen Müllsammeln zu einem kollektiven Erlebnis, indem wir es mit Gemeinschaft, Kreativität und Freude verbinden: Unsere Clean-Ups sind offen für alle und bringen Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Hintergründe zusammen. Gemeinsam ein sichtbares Ergebnis zu schaffen, motiviert und verbindet. Außerdem kombinieren wir das Müllsammeln mit spannenden Aktivitäten wie Yoga-Sessions, Kräutertouren im Wald, Joggen oder Konzerten. So wird das Erlebnis abwechslungsreich und zeigt, dass Umweltschutz nicht langweilig sein muss. Dank Kooperationen mit Cafés, Theatern oder anderen Partnern können wir Teilnehmer*innen kleine Goodies wie Getränke oder Tickets anbieten. Eine zusätzliche Motivation, dabei zu sein. Wir teilen die Ergebnisse unserer Aktionen in den sozialen Medien und machen deutlich, welchen positiven Einfluss jede*r Einzelne hat. Dieses Bewusstsein stärkt das Engagement und inspiriert zu weiterem Handeln. So schaffen wir eine Atmosphäre, die Spaß macht, informiert und inspiriert – und zeigen, dass Umweltschutz ein Gemeinschaftsprojekt ist, das alle mitgestalten können.
Und das schafft ihr! Über 1.451 Menschen haben bereits an euren Veranstaltungen teilgenommen.
Ja, tatsächlich haben wir mittlerweile eine sehr loyale und coole Community aufgebaut.Wir sind immer erstaunt, dass begeisterte Teilnehmer*innen auch bei Regen und -5 Grad zu den Clean-Ups kommen. Über Social Media, unseren Newsletter und unsere Website verkünden wir die aktuellen Veranstaltungsdaten. Oft kooperieren wir auch mit anderen lokalen Organisationen oder Unternehmen, durch die wir noch mehr Reichweite generieren.

Was waren eure größten Erfolge bisher?
In den letzten fünf Jahren durften wir schon einige größere und kleinere Erfolge feiern. Persönlich bin ich stolz auf unsere eigene Kunstausstellung, durch die wir mit Hilfe von Kunst aus Müll viele Menschen für die Abfallproblematik sensibilisieren konnten. Außerdem durften wir bei der Kinodokumentation „The North Drift” mitwirken und wissenschaftlich an den Themen Meeresströmungen und den Konsequenzen des Plastikmülls im Ozean arbeiten. Unabhängig von den Medienbeiträgen und aufregenden Events bekommen wir laufend Feedback, dass wir ein Bewusstsein schaffen und Menschen dazu inspiriert haben, achtsamer zu leben. Und das ist für uns der größte Erfolg.
Über 4,4 Tonnen Müll wurden bei euren Clean-Ups bereits gesammelt – welche Art von Müll wird am häufigsten gefunden und was sagt das über unsere Gesellschaft aus?
Richtig! 4,4 Tonnen Müll ist ein beeindruckender, aber auch alarmierender Wert. Am häufigsten werden Zigarettenstummel gefunden. Diese kleinen, oft übersehenen Abfälle haben eine große Umweltwirkung, da sie Giftstoffe enthalten, die Böden und Gewässer belasten. Auch Plastik dominiert unsere Funde – von Verpackungen zu Flaschen bis hin zu Einwegprodukten. Besonders auffällig ist in den letzten Jahren der Anstieg von Einweg-E-Zigaretten und Lachgas-Kartuschen. Dieser Müll zeigt, wie stark Konsumtrends die Umwelt beeinflussen und wie wenig Bewusstsein oft für deren Auswirkungen besteht. Darüber hinaus finden wir regelmäßig Elektroschrott, Glas und natürlich saisonabhängigen Müll, wie etwa Picknickreste im Sommer oder Silvesterböller im Winter. Die Art des Mülls spiegelt nicht nur die Konsumgewohnheiten unserer Gesellschaft wider, sondern auch, wie sorglos viele Menschen mit ihrer Umwelt umgehen – besonders in öffentlichen Räumen. Diese Erkenntnisse verdeutlichen, wie wichtig es ist, nicht nur aufzuräumen, sondern auch präventiv tätig zu sein: daher investieren wir viel Zeit in Bildungsarbeit und Kampagnen, um ein Umdenken im Umgang mit Ressourcen hervorzurufen.
Welche Rolle spielen Firmen, Schulen und Vereine bei euren Clean-Ups?
Neben unseren monatlichen öffentlichen Clean-Ups organisieren wir Social Days für Unternehmen und Workshops in Schulen, um möglichst viele Menschen aktiv in den Umweltschutz einzubinden. Unternehmen nutzen unsere Social Days, um gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden einen positiven Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Diese Teamevents fördern nicht nur den Teamgeist, sondern helfen auch dabei, ein tieferes Bewusstsein für das Müllproblem zu schaffen und nachhaltiges Denken in die Unternehmenskultur zu integrieren. In Schulen arbeiten wir mit jungen Menschen, um sie frühzeitig für Themen wie Müllvermeidung, Recycling und Kreislaufwirtschaft zu sensibilisieren. Unsere interaktiven und praxisnahen Formate ermöglichen es Schüler*innen, das Gelernte direkt in ihrem Alltag umzusetzen und eine aktive Rolle beim Umweltschutz einzunehmen. Durch diese gezielten Angebote für Unternehmen und Bildungseinrichtungen schaffen wir eine breitere Basis für Veränderung und fördern nachhaltiges Handeln in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen.
Wie gelingt es euch, komplexe Themen wie Umweltverschmutzung praxisnah und spannend zu vermitteln?
Da wir alle tagtäglich mit negativen News aus der Welt konfrontiert werden, wollten wir die Auswirkungen der Umweltverschmutzung ohne erhobenen Zeigefinger vermitteln. Ohne die Dramatik des Problems zu vergessen, kommunizieren wir mit ansprechenden Designs, bunten Farben und organisieren Events, die Spaß machen. Außerdem sollen unsere Inhalte für alle zugänglich sein, weshalb wir monatlich kostenfreie Aktionen in unterschiedlichen Stadtteilen anbieten.
Zu euren Kooperationspartnern gehören große Firmen wie etwa Fritz-Kola, Tchibo und die Haspa Hamburg Stiftung. Wie haben diese zur Verwirklichung eurer Projekte beigetragen?
Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir uns lokal vernetzen und Synergien schaffen. Dabei gibt es Partner, die uns seit Jahren finanziell, aber auch durch Produktspenden wie zum Beispiel Getränke für die Clean-Ups unterstützen. Gerade am Anfang war die Unterstützung relevant für uns, sodass wir aus unserer Leidenschaft einen Beruf machen konnten. Hamburg war und ist ein sehr geeigneter Standort für unser Vorhaben, da wir mit offenen Armen in der „grünen Bubble” empfangen wurden und uns sehr viel Zuspruch und Hilfe entgegengebracht wurde.
Interview: Hanna Odenwald
Bilder: © Oclean / Aufmacherbild: Lena, Marie und Hannah Pippert (v. l.)


