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Montag, 24 Juni 2024
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    Ein Buch als Liebeserklärung

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    Franziska Heinemann-Schulte aus Rotherbaum führt den erfolgreichen Gastro-Blog tastehamburg.com. Eine Auswahl der besten Beiträge über ihre Lieblingslocations hat sie in dem Buch „Taste Hamburg“ veröffentlicht – es ist „eine Liebeserklärung an Hamburgs kulinarische Vielfalt“. Wir haben bei der Autorin nachgefragt.

    Was ist es für ein Gefühl, „Teile“ deines Blogs plötzlich in gedruckter Form in den Händen zu halten?

    Wunderbar, ganz anders als das flüchtige Instagram. Ich liebe mein Leinen-Cover mit der Prägung der Tischdecke meiner Großmutter und den Inhalt, in dem mein ganzes Herz steckt.

    Hier sind alle meine liebsten Orte, wie Cafés, Bars, Hotels, Pop-Ups und natürlich Restaurants versammelt, dessen Gastronom:innen und Köch:innen ich besonders schätze und mit denen ich mich verbunden fühle. 

    Wie lange hast du an dem Buchprojekt gesessen und wie kam es überhaupt dazu?

    In acht Monaten habe ich meine liebsten Gastronomien in Hamburg festgehalten, fotografiert und beschrieben. Eine Art Hommage an deren Vielfalt und dafür, dass ich das Gefühl habe, ein winziger Teil davon sein zu dürfen.  

    Franziska Heinemann-Schulte (40), Diplom-Kauffrau, ist seit 2014 FoodBloggerin aus Leidenschaft. Kürzlich hat sie ihr erstes Buch veröffentlicht. Alle Fotos: © Franziska Heinemann-Schulte

    Du bist auch in anderen Städten und im Ausland, unterwegs und kannst vergleichen – was ist das Gute an Hamburgs Restaurantlandschaft?

    Ich fühle mich in der Hamburger Gastronomie zu Hause und meine, fast jedes Restaurant zu kennen. Immer mehr finden untereinander zusammen für besondere Pop-Up Projekte, Food-WGs, erfinden sich gemeinsam neu und werden beweglicher in einer schönen Mischung aus Fine Dining, Street Food oder für das Tägliche.

    … und was sollte sich dringend ändern?

    Auch wenn es schon vereinzelt individuelle Bäckereien gibt, die ihr Handwerk in Lässigkeit kommunizieren, gibt es fußläufig immer noch zu viele Ketten von Backwaren, bei denen man im Alltag leider in Versuchung gerät.

    Du schreibst in deinem Blog seit fast 10 Jahren. Wie hat sich in dieser Zeit die Gastrolandschaft bei uns verändert?

    Hamburg hat sich Immer vielfältiger kulinarisch aufgestellt und wirkt wie eine zusammenhaltende Einheit, lauter und präsenter, insbesondere seit Corona natürlich.

    Die meisten Gastronomen werden dich inzwischen kennen. Bekommst du eine Sonderbehandlung und – was die meisten sicherlich vermuten – die Speisen kostenlos serviert?

    Das ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen und immer ganz unterschiedlich. Ich hoffe zumindest immer, einen der letzten Tische reservieren zu können. Fragt mich ein Restaurant an, lädt es mich ein. Meist gehe ich aber spontan in ein Neues oder mir unbekanntes, um anonym und neutral dort testen zu können. Sollte ich doch erkannt werden, sind manchmal extra Gänge die erfreuliche Folge oder auch eine überraschende Einladung.

    Kannst du noch mit Freunden reden, ohne dass sie dich um Restauranttipps bitten? 

    Ich rede immer noch so gerne über Restaurants und die Erfahrungen, die auch andere machen. Begleiten tut mich zum Teil meine Familie, doch mittlerweile fast ungern. Noch häufiger bin ich alleine nur mit meiner Kamera und Notizblock unterwegs, da es natürlich immer sein kann, dass das Essen enttäuscht oder mehr als drei Gänge meinen Freund und meine Kinder etwas erschlagen. 

    Welche sind den gerade deine Top 3 Restaurants in Hamburg?

    Alle Drei eint eine recht frische Eröffnung und die spürbare Freude über die Erfüllung ihrer Leidenschaft. 

    Noch als Pop-Up unterwegs, beeindrucken die vier Jungs vom arc mit filigran komponierten Menüs, u.a. auch durch eine insgesamt vierstellige Sternevergangenheit. Im Félix in Nienstedten wähnt man sich in Frankreich, bei Paté oder Hechtklößchen köstlich zugänglich und auf höchstem Niveau, inklusive herzlicher Gastfreundschaft. Max Legler kocht im Legler’s in Ottensen als One-Man-Show auf kleinem Raum und findet neben hervorragendem Essen auch den Kontakt zu seinen Gästen. 

    Du hast mir mal verraten, dass du in deinem Blog über Restaurants, die dir nicht gefallen, nicht schreibst, weil du dich nicht als klassische Restaurantkritikerin siehst. Warum? 

    Gerade durch Corona bin ich sanfter geworden, um nicht die sowieso schon herausfordernde Zeit zu bestärken. Wenn man mir jedoch länger und aufmerksam folgt, liest sich ganz eindeutig zwischen den Zeilen, ob ich euphorisch bin oder das Erlebnis austauschbar war. Fällt ein Restaurantbesuch völlig aus dem Rahmen, schreibe ich das mittlerweile aber auch recht deutlich.  

    Kochst du auch gerne selbst? Und wenn ja, was am liebsten?

    Dadurch dass ich fast jeden Tag aushäusig esse, koche ich eher selten zu Hause, außer für unsere Kinder, dabei mag ich das fast meditative Zubereiten sehr. Ziemlich im Schlaf kann ich das Geschnetzelte meiner Mutter nachkochen, von dem zumindest einen Teil auch meine Kinder herauspicken.

    Sind weitere Buchprojekte geplant?

    Unbedingt, so viel Freude hat mir mein erstes Buch gemacht. Schon jetzt bin ich stetig dafür unterwegs und würde gerne wieder im November veröffentlichen.

    Mehr Infos zum Buch und zum Gastro-Blog geht es HIER.

    Franziska Heinemann-Schulte, Taste Hamburg, 240 Seiten, 47 Fotos, 49,90 EUR, Hardcover mit Heißfolienprägung auf Naturleinen, lim. Aufl., je 750 Exemplare in schwarz und weiß