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Dienstag, 4 Oktober 2022
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    Endlich Laubengirl

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    Seit vier Jahren ist die Schauspielerin Nova Meierhenrich stolze Besitzerin eines Schrebergartens. Ihre Erlebnisse und Erfahrungen teilt sie auf Instagram und seit kurzem in einem inspirierenden erzählerischen Ratgeber, von dem alle Gartenbesitzer profitieren können. Wir wollten von Nova wissen, was sie an ihrem Laubenleben am meisten schätzt.

    Eigentlich müsstest du einen grünen Daumen haben. Du schreibst im Buch, dass du schon als Kind bei deiner Cousine im Schrebergarten warst und bei den Eltern ein eigenes Beet hattest …
    Naja, damals war ich ja noch ein Kind, das mit meiner Cousine und gefühlt 1.000 anderen Kindern durch die Kleingartenkolonie meines Onkels gerannt ist. Mit Gartenarbeit hatte das nichts zu tun. Später hatten meine Eltern ein Haus mit Garten und in dem hatte jedes Kind ein kleines Gemüsebeet. Das hat mir gefallen, denn ich war immer ein naturverbundener Mensch. Viel Zeit draußen zu verbringen ist mir wichtig. Und ich habe schon früher Tomaten auf dem Balkon gezogen. Ob ich deswegen einen grünen Daumen habe, weiß ich nicht, aber ich finde es schön, zu einem Beet zu gehen und beispielsweise eigene Gurken zu pflücken – das ist ein erhebendes Gefühl.

    Und wie kam es dann zu dem Schrebergarten?
    Ich wusste aus den eben genannten Gründen schon früh, dass ich irgendwann einmal eine Laube habe und mit einem Kaffee in der Hand auf der Terrasse sitzend den Tag begrüße. Es hat dann zwar doch ein paar Jahre gedauert, den Traum in die Tat umzusetzen. Aber gut Ding will Weile haben und was wäre man ohne Träume? 2017 war es dann soweit und ich habe mit einer Freundin zusammen einen Garten übernommen. Der war anfangs in einem furchtbaren Zustand. Es war auch noch Winter und wir wussten gar nicht, was aus den Beeten mal rauskommen wird – viel Mist übrigens. Aber auch schöne Stauden und Frühblüher. Das erste Jahr haben wir auf uns zurollen lassen, um zu sehen, was der Garten uns so bietet. Anschließend konnten wir dann gezielt planen.

    Für die Schauspielerin Nova Meierhenrich ist ihr Garten der perfekte „Runterkommort“ – glauben wir sofort. © Gräfe und Unzer Verlag/ Brian Bojsen

    Schrebergärten hatten lange ein spießiges Image. Das hat sich geändert. Wie empfindest du es?
    Das stimmt, aber es ist eine liebenswerte Parallelwelt mit den unterschiedlichsten Typen und vielen jungen Familien. Aber ich will mich gar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, denn ich bin auch schon ein kleiner Garten-Nerd geworden, der unter einer Speziallampe in der Küche alle möglichen Pflanzen vorzieht.

    Das klingt schon ein bisschen nach Profi. Anfangs war es ja anders, denn du schreibst dein Motto war nach dem Try-and-Error-Verfahren einfach machen. Was dein schlimmster Fehler?
    Tja, es könnte vieles besser sein. Beispielsweise das Gartenklo. Hab ich selbst gebaut, obwohl ich es vorher noch nie gemacht hatte. Deswegen bin ich stolz darauf. Wenn ich dann allerdings auf Insta sehe, was andere so haben, denke ich, okay es geht auch viel schöner. Aber unser ist cool … ja, aus diesem Grund sollte man Dinge einfach ausprobieren und machen.
    Außerdem sorgt vor allem die Natur selbst für das Try-and-Error-Prinzip. Du machst etwas im Beet, das in einem Jahr super funktioniert, im nächsten leider gar nicht. Weil man vielleicht einen Schädling hatte, der Samen nicht ganz okay war, oder es eben doch noch eine Frostnacht gab. Man denkt sich, hey, ich habe es doch genauso gemacht wie immer und versteht es nicht, aber vielleicht war auch nur das Wetter ein bisschen anders. Man lernt schnell, Demut vor der Natur zu empfinden – sie zwingt dich, ein wenig Zenfeeling mitzubringen, denn auf Biegen und Brechen geht schon mal gar nichts. Die Natur bestimmt letztendlich mit, ob es funktioniert oder nicht.

    Für ihren Garten wurde die Schauspielerin zur Handwerkerin, baute Klo und Terrasse mit eigenen Händen: „Ein tolles Gefühl und auf das Ergebnis bin ich stolz.“ © Gräfe und Unzer Verlag/ Brian Bojsen

    Dass es klappt und tolle Ergebnisse herauskommen, zeigst du ja auf dem Insta-Account @laubengirlz. Wie kam es dazu?
    Ich hatte anfangs einiges auf Instagram gepostet. Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich häufiger schreiben wollte. Um meinen öffentlichen Künstler-Account nicht mit Gartenthemen zu überfluten, habe ich nach gut einem Jahr Laubengirlz gestartet. Die Online-Garten-Community ist inspirierend und eine eigene kleine Welt unter Gleichgesinnten, die sich genauso für ihr selbst angebautes Gemüse oder Bauprojekte begeistern können wie man selbst. Als mich Gräfe und Unzer dann ansprach, ein Buch zu machen, habe ich gezögert, weil ich keine Expertin bin. Aber genau das hat der Verlag gesucht, einen authentischen Blick über den Gartenzaun mit Erfolgen und Misserfolgen. Der ist es auch geworden und deswegen verstehe ich das Buch trotz der vielen Tipps von mir und einigen Gastautoren aus anderen Schrebergärten weniger als Ratgeber, sondern eher als Inspiration.

    Was macht denn der Garten mit dir?
    Er erdet mich und ist ein Zufluchtsort. Ich bin jemand, der in der Natur total zur Ruhe kommt. Früher bin ich dafür morgens ans Meer gefahren, wenn mir alles zu viel wurde. Jetzt gehe ich um die Ecke in den Garten, lasse mich in der Hängematte durchpusten, liege in der Sonne im Gras, oder verschwinde mit den Händen im Beet – das erdet mich wortwörtlich. Es geht ja auch darum, mit den Händen etwas zu erschaffen. In meinem Beruf kreiere ich ja quasi nichts Handfestes. Anders im Garten, dort sieht man vieles wachsen und kann stolz auf das Geschaffte sein. (überlegt) Mein Garten ist mein kleiner „Runterkommort“ für mich geworden und ein Ort für Begegnungen mit Freunden. kw

    HIER geht es zu Novas Blog Laubengirlz.

    Aufmacher: 2017 hat Nova Meierhenrich zusammen mit einer Freundin einen Garten übernommen und aus einem grünen Chaos ihr kleines Paradies geschaffen. Wer das – und weitere Bilder im Buch sieht – weiß, warum Schrebergärten seit einiger Zeit einen wahren Hype erleben. © Gräfe und Unzer Verlag/Brian Bojsen

    Buchtipp:

    Nova Meierhenrich beschreibt ihren Weg zur Laubenpieperin und gibt viele DIY-Tipps wie andere es auch schaffen können. Aber auch diejenigen, die einen Garten haben, können Tipps zu Hochbeeten, Blumen, Rezepten & Co. gut umsetzen.

    Nova Meierhenrich, Endlich Laubengirl – Mein Abenteuer Schrebergarten, Gräfe und Unzer, Hardcover, 160 S., 19.99€

    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
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