13.1 C
Hamburg
Dienstag, 5 Juli 2022
More
    StartPeopleEin Frauenschwarm in Winterhude

    Ein Frauenschwarm in Winterhude

    -

    Der laut einer Umfrage attraktivste Tatort-Kommissar Deutschlands steht in der Komödie Winterhuder Fährhaus auf der Bühne: Oliver Mommsen. Der Berliner spielte von 2001 bis 2019 Nils Stedefreund im Bremer Tatort, bis er in der Folge 39 erschossen wurde. Im aktuellen Stück „Ab jetzt“ geht es aber nicht um Kriminalfälle, sondern um die Suche nach der wahren Liebe und die Abhängigkeit von Mensch und Maschine. Mommsen spielt den Komponisten Jerome, der einen Roboter vom Babysitter zu seiner Verlobten umprogrammiert … kann das gut gehen? Wir fragten beim 52-jährigen Schauspieler nach und verlosen 3×2 Karten.

    Geht es in dem Stück eher um wahre Liebe oder um KI?

    Es geht auf jeden Fall um die verschiedenen Möglichkeiten des Zusammenseins und darum, dass Computer immer nur so blöd sind, wie der Mensch, der sie programmiert. Alles an was er nicht bedenkt, findet auch nicht statt. Gerade daraus wird im zweiten Teil des Stücks ein turbulentes Abenteuer für alle Beteiligten.

    Es geht ja um einen arbeitslos gewordenen Babysitter-Roboter. Welche alltägliche Arbeit würden Sie sich durch einen Roboter abnehmen lassen?

    Vor Jahren hatten wir eine wundervolle Diskussion mit den Kindern und beide sagten, Finger weg von KI. Wir hätten sie nicht im Griff und es bestehe die Gefahr, dass KI den Menschen unter Kontrolle bekomme. Ich denke, wir sind doch schon auf dem besten Weg dahin. Ich war heute mal wieder in der U-Bahn und da hat niemand in der Realität stattgefunden, sondern in kleinen Telefongeräten. Mit ein wenig Fantasie kann man sich ausmalen, wohin die Reise geht. Zu KI in ganz großem Stil ist der Mensch nicht bereit.

    Passend dazu, letztens ging ja ein Video mit einem Roboter viral, dessen Silikongesicht täuschend echt menschliche Gefühle darstellen konnte. Viele Menschen fanden es toll, die meisten waren aber geschockt bis beängstigt … KI frisst Jobs, so viel ist klar. Wie sieht es bei Ihnen als Schauspieler aus, sind Roboter bald die besseren Mimen?

    (lacht) Scherzhaft haben wir schon ein paar Mal gesagt, wir lassen unseren Kopf von allen Seiten fotografieren und verkaufen die Rechte. Dann können sie damit machen was sie wollen, während wir es uns auf einer schönen Insel gut gehen lassen. Ein furchtbarer Gedanke. Es stellt sich nämlich sofort die Frage nach der Grenze, wo hilft einem die Maschine und wo nicht. Und sollen Roboter Steuern zahlen? Sie generieren in Firmen Produkte, die verkauft werden. Wo bleibt der Beitrag für die Sozialgesellschaft? Aber die Probleme sind noch vielschichtiger. Im Film „HER“ hat Joaquin Phoenix eine Beziehung mit Siri. Fiktion, aber es gibt Berichte, dass sich Kinder in Missbrauchsfällen an Siri wenden, um sich Zuspruch zu holen. (Pause) Ich halt mich da raus. Das Schöne am Schauspiel ist, dass ich keine Antwort geben muss. Ich mache Stücke mit und über gesellschaftliche Problematiken, die Antwort muss sich der Zuschauer selbst holen.

    In diesem Stück ist eine Menge drin und gerade im ersten Teil werden Fragen aufgeworfen. Wie weit geht es mit einem Roboter und hat er Gefühle? Oder kann er immer nur so tun als ob. Dazu gibt es einen tollen Film von Maria Schrader. „Ich bin dein Mensch“, er behandelt ein Leben mit einem Roboter. Nervig. Ich möchte beispielweise nicht, dass der Roboter schon mal das Badewasser einlässt, weil ich nur daran gedacht habe, oder andere Dinge sofort erledigt. Von wegen Harmonie, ich möchte mich auch mal zoffen.

    Ich habe an einen anderen Film gedacht, Blade Runner. Bei dem es zwar vor allem um Kontrolle, aber auch Liebe und Freiheit. Was ich nicht wusste, das habe ich aber vorhin gegoogelt – ich benötige also auch KI, um mich vorzubereiten – der Film basiert auf dem Buch „Träumen Androiden vom elektrischen Schlafen“ von Philip K. Dick – eine sehr philosophische Frage. Ist das Stück auch philosophisch?

    Das ist ein Ayckbourn und ein Ayckbourn hat immer einen sehr eigenen tollen englischen Humor. Ich hoffe, das liegt den Hamburgern. Neben dem Witz ist aber auf jeden Fall auch etwas Philosophisches mit dabei. Das Schöne an dem Abend ist, das es sich quasi um zwei Stücke handelt – der erste Akt geht in die Tiefe und der Schluss im zweiten Akt ist tobendes Chaos.

    Welcher Teil gefällt Ihnen besser?

    Das hängt von der Tagesform ab.

    Was nehmen die Zuschauer:innen denn mit nach Hause? Sind sie eher fröhlich gestimmt, oder macht sie der erste Teil fertig?

    Nein, bei Ayckbourn denkt man zwar nicht, das war jetzt eine lustige Achterbahnfahrt und weg ist der Gedanke, aber das Stück ist keine Dystopie, bei der man sich Zuhause sofort schlecht gelaunt schlafen legt. Es unterhält und es gibt viel zu gucken auf der Bühne.

    Was nehmen Sie selber von dem Stück mit?

    Dass der Mensch nicht gerne alleine ist. Dass er so dringend jemanden braucht, dass er bereit ist sogar die Fantasie spielen zu lassen, um nicht allein zu sein. Wie in dem tollen Film „Cast Away“, in dem Tom Hanks eine Beziehung zu einem Volleyball aufbaut. Ebenfalls mit Tom Hanks ist „Finch“, in dem Film erschafft er sich einen Roboter, der sich nach seinem Tod um seinen Hund kümmern soll. Das Thema des Stückes – was machen wir mit Robotern und wie weit geht es? – wirklich spannend. kw

    Kulturtipp und Verlosung:

    Die Komödie Winterhuder Fährhaus zeigt noch bis zum 13. Februar das Stück „Ab jetzt“ von Alan Ayckbourn mit Oliver Mommsen, Nicola Ransom, Zoe Moore, Henrike Fehrs und Joachim Paul Assboeck (Deutsch von Corinna Brocher und Peter Zadek / Regie: Martin Woelffer)

    Inhalt: Der Komponist Jerome lebt zurückgezogen mit dem ursprünglich zum Babysitten konstruierten, aber leider vollkommen fehlprogrammierten und an Unterbeschäftigung leidenden Roboter GOU 300 F zusammen. Er versucht krampfhaft, sein großes Lebenswerk über das Thema Liebe aus Geräuschen und Stimmen zu komponieren. Doch seit seine Frau und vor allem seine kleine Tochter vor Jahren ausgezogen sind, fehlt ihm jede Inspiration. Im Kampf um das Sorgerecht für seine Tochter, versucht Jerome in seiner Verzweiflung eine Schauspielerin zu engagieren, die seine neue Verlobte und die perfekte Hausfrau spielen soll. Als das misslingt, greift er zu einem gewagten Experiment: Der fehlerhafte Roboter wird zur Verlobten programmiert. Gemeinsam erwarten sie den Besuch des Jugendamtes…

    Einen Roboter umzuprogamieren ist gar nicht mal so leicht … Das merken Nicola Ransom, Zoe Moore (r.) und Oliver Mommsen im Stück „Ab jetzt“. © Franziska Strauss

    Eine Komödie über die Verwechslung von echten und reproduzierten Gefühlen, über das mögliche Leben in der nahen Zukunft, die Abhängigkeit von Mensch und Maschine und über die Suche nach der wirklichen und erfüllenden Liebe.

    Mehr Infos und Karten gibt’s auf www.komoedie-hamburg.de

    Wir verlosen 3×2 Karten für die Vorstellung am 11. Februar 2022 um 19:30 Uhr (2G-plus-Veranstaltung). Wer zwei Karten gewinnen möchte, der sendet bis zum 8. Februar 2022 eine E-Mail an redaktion@alster-net.de. Die 3 Gewinner:innen werden unter allen Einsendungen ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

    Kai Wehl
    Chefredakteur von Alster und Alstertal Magazin
    [td_block_1 custom_title=“Mesistgelesen“ limit=“4″ f_header_font_transform=“uppercase“ ajax_pagination=“next_prev“ category_id=““ sort=“popular“ offset=“2″]