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Donnerstag, 22 Oktober 2020
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    „Sei stolz auf dich“

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    Die Themen Selbstliebe und Selbstakzeptanz sind besonders in den letzten Jahren stark diskutierte Themen – und sicherlich nicht immer einfach. Singer/Songwriterin NANÉE kam mit dem Gen-Defekt CMN zur Welt und lernte mit der Zeit, stolz auf ihre Individualität zu sein. Wir haben die Künstlerin zum Interview und Podcast getroffen.
    Live on Stage in Büsum. / Foto: Bjoern Vosgerau

    Lieber Hören, statt Lesen? Kein Problem! Hören Sie das Interview in voller Länge in unserem AlsterCast.

    „NANÉE“ ist dein Künstlername. Wer steht denn dahinter?
    Ich heiße eigentlich Nanette und bin gebürtige Rostockerin. Mittlerweile lebe ich seit über 20 Jahren in Hamburg, aber der heimische Akzent ist geblieben. Der Job hat mich damals hierher verschlagen, denn ich bin ursprünglich Bauzeichnerin von Beruf. Jetzt arbeite ich als Marketing Managerin und bin sozusagen Späteinsteigerin in der Musik. Bis ich mich nämlich auf die Bühne getraut habe, hat es etwas gedauert.

    Als ich dich das erste Mal gesehen habe, dachte ich, du hättest ein großes, dunkles Tattoo am Hals. Hast du aber gar nicht!
    Stimmt, ich habe von Geburt an den Gen-Defekt CMN, das ist die Abkürzung für „Congenital Melanocytic Nevi“. Es handelt sich um eine Genveränderung der pigmentbildenden Zellen. Das führt also dazu, dass der Farbstoff, der für unsere Haut- und Haarfarbe sorgt, nicht gleichmäßig im Körper verteilt ist, sondern „Nester“ bildet. Die sieht man dann als Muttermale oder Leberflecke. Wenn man CMN hat, hat man eine große belegte Fläche, die bis zu 80 Prozent der Haut einnehmen kann, und ganz viele kleine Satelliten am Körper verteilt.

    Damit umzugehen, war sicherlich nicht immer so einfach. Wie war das für dich?
    Besonders als Teenager hatte ich damit stärker zu kämpfen. Ich dachte jahrelang, dass ich einer von sieben Menschen auf der ganzen Welt sei, der betroffen ist. Das stimmt nicht, denn ein Kind von 20.000 Kindern wird damit geboren. Der Weg zur selbstbewussten Frau war für mich schon ein längerer Weg. Vor 20 Jahren gab es auch noch kein Internet, daher waren die Flecken wahrscheinlich noch auffälliger, als es heute ist. Die ersten dummen Sprüche kamen im Grundschulalter. Bereits mit 14 Jahren war ich 1,85m groß, ich musste also lernen, aus der Masse herauszustechen und dazu stolz zu stehen.

    Wie war denn dieser Entwicklungsweg für dich?
    Erst 2019 bin ich durch Recherchen auf einen gemeinnützigen Verein gestoßen, durch den ich an einer Konferenz in London teilgenommen habe. Dort habe ich viele andere Menschen mit diesem Defekt kennengelernt. Bis dahin dachte ich wirklich, dass es nur sieben Betroffene auf der Erde gibt. Diese Erkenntnis war natürlich vollkommen aufregend, denn am Anfang stand ich definitiv auch noch etwas neben mir. Letztendlich war es aber sehr spannend, sich auszutauschen, denn einerseits erlebt es jeder anders und auf der anderen Seite haben auch alle mit den gleichen Themen zu kämpfen. Anschließend habe ich mir kurze Kleider gekauft. Vorher habe ich mich nicht häufig getraut, meine Beine zu zeigen, die ebenfalls viele Flecken tragen. Ich dachte immer, alle würden einen anstarren — aber das passiert nur in deinem Kopf.

    Wie bist du dann zur Musik gekommen?
    Der Weg aus der letzten in die erste Reihe war bei mir ebenfalls etwas länger, Musik gehörte allerdings schon immer zu meinem Leben. 2015 ist meine langjährige Beziehung auseinander gegangen. Das Chaos der Gefühle habe ich mit eigenen Songs geordnet und verarbeitet, da war ich bereits Ende 30. Erst habe ich mit englischen Songs begonnen, mittlerweile trete ich gemeinsam mit meiner Band auf und singe in meiner Muttersprache.

    Vom 21.-25. September findet deine Challenge #IchBinPerfektWieIchBin statt. Wie wird die ablaufen?
    Bei dieser Challenge kann jeder mitmachen, der sich so lieben möchte, wie er oder sie ist. Gerne auch Eltern von Kindern mit Auffälligkeiten, denn diese sind enorm wichtig, um den Kindern bereits früh beizubringen, mit der Besonderheit umzugehen. In der Challenge-Woche gibt es täglich um 8 Uhr ein Facebook-Live-Event in dem ich über Schönheitsideale und Ängste spreche und eine Tagesaufgabe verteile. Anmelden kann man sich auf meiner Homepage und am 21. September geht’s dann los.

    Wie geht’s bei dir jetzt weiter?
    Eigentlich wäre nun unsere Norddeutschland-Tour gestartet, aber durch Corona hat sich leider auch bei mir alles mir verschoben. Dafür werde ich Anfang November ein Virtual-Reality-Konzert geben — man muss ja kreativ werden! Ich freu mich darauf, auf der Bühne zu stehen, denn ich arbeite bereits wieder an den nächsten Songs fürs kommende Jahr. Kimberley Schulz

    Mehr Infos über NANÉE und zur Challenge #IchBinPerfektWieIchBin gibt’s auf www.nanee-music.de

    Lieblingsfarbe Rot. Künstlerin NANÉE ist mittlerweile stolz auf ihren außergewöhnlichen Körper / Foto: Elena Zaucke
    Redakteurin Kimberley Schulz (r.) traf NANÉE zum Interview und Podcast.

    Titelbild: Elena Zaucke

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